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Abend mit Eva

| Erinnerung an eine alte Zeit |
Abend mit Eva Leichter verärgert saß ich also im Lokal und wartete auf Eva. Sie wohnte hier um die Ecke und konnte es nicht schaffen, pünktlich zu sein. Pünktlichkeit hatte für mich etwas mit Höflichkeit zu tun, mit Respekt. Jemanden warten zu lassen bedeutete für mich, sich anzumaßen über dessen Zeit Verfügen zu können. Umgekehrt nervte mich unser Alter, wenn er ständig kontrollierte, ob auch alle pünktlich ins Büro kamen. Störte mich nun Unpünktlichkeit generell oder störte es mich nur, wenn man mich warten ließ? Mitten in meine Gedanken platzte Eva mit einem „So sorry, mein Lieber“ Fasste mich um den Hals, zog meinen Kopf zu ihr und küsste mich auf den Mund. Alles verziehen. „Mir bitte auch ein Bier, aber gleich ein großen, ich brauche es.“ Eva wirkte leicht genervt und etwas hektisch, fahrig entledigte sie sich ihrer Jacke und knüllte diese irgendwie auf die Sessellehne. „Männer, ich kann nur sagen Männer“. Eva nahm sich eine Marlboro aus meiner Schachtel und nahm einen tiefen Zug. „Du rauchst?“ „Jetzt schon.“ Eva war ziemlich einsilbig also ließ ich sie mal. Sie würde mir schon erzählen was es zu erzählen gab. Das Bier wurde ihr gebracht und Eva leerte die Hälfte in einem Zug. „So, jetzt geht es besser.“ Sie signalisierte Bereitschaft, die Geschichte zu erzählen, es war aber noch notwenig, danach zu fragen. „Was ist passiert?“ Ich tat ihr und letztlich mir den Gefallen. „Mein Freund ist total durchgedreht weil ich mich mit dir treffe. Obwohl er ohnehin ausgeht.“ Ihr Freund. Eva hatte einen Freund. Und ich hatte keine Ahnung. Auch nicht schlecht. „Jetzt hat er sich eingebildet ich bleibe zu Hause und versetzte dich einfach. Wie kann man nur so bescheuert sein? Wie auch immer. Wir sollten austrinken und woanders hingehen, weil dem traue ich zu, dass er hier auch noch auftaucht und sich aufführt.“ Die Vorstellung, dass Eva’s Freund hier randalierend auftaucht machte auch mir keine besondere Freue und so tranken wir zügig aus und verließen das Lokal. Wir nahmen uns ein Taxi und fuhren zu einer Bar, welche in einem Hotel untergebracht war. Hotelbar würde man meinen. War es aber nicht.Es war eine Bar, welche eben in einem Hotel untergebracht war. Es war Eva’s Vorschlag gewesen und ich war froh darüber. In der Bar treffen sich hauptsächlich Pärchen. Das Licht war schummrig und es gab gemütliche Ecken zum versinken. Genau das richtige für uns. Wir lümmelten uns auf ein Sofa in der dunkelsten Ecke und bestellten Whiskey-Sour. Die Preise waren recht ordentlich, aber ich hatte heute schon beim Mittagessen gespart, also konnte ich das Geld hier ausgeben. Im Taxi war Eva schweigsam, mehr als das. Sie war stumm. Sprach kein Wort und man konnte sehen, dass sie die Ereignisse mit ihrem Freund Revue passieren ließ. Jetzt in der Bar, nach dem ersten Schluck Whiskey-Sour kam sie zurück. „Wie war das Mittagessen mit deiner Verehrerin?“ Eva eröffnete sehr schnippisch. Noch immer etwas gereizt die liebe Frau Eva. „Sehr angenehm.“ Wortkarg war die Devise. Soll sie doch fragen, wenn sie mehr wissen will. Meine Strategie verärgerte sie noch mehr. „Musst ja nicht darüber reden, wenn du nicht willst. Wirst schon deine Gründe haben.“ Oijeh. Sie war echt ärgerlich. Falsche Taktik. „OK, ok. Was möchtest du wissen? Wir waren italienisch Essen, haben über dies und jenes geredet und sind dann wieder unserer Wege gegangen.“ „Und warum wollte sie mit dir Essen gehen?“ „Keine Ahnung, weil sie in der Nähe war und sich fadisierte, nehme ich an“. „Weil sie scharf auf dich ist, das kann ja ein Blinder sehen. Alle aus dem Büro haben das gesagt.“ Auch nicht schlecht. Erst habe ich monatelang versucht, irgendwie eine Frau aufzutun, dachte, dass mir ohnehin keiner zutraut eine Freundin zu haben, vor allem, dass ich es mir nicht zutraute und plötzlich nimmt man an, eine Frau wie Iris sei hinter her. Eine Frau wie Iris. Was hatte ich ihr schon zu bieten? Nicht einmal in ein ordentliches Restaurant konnte ich sie einladen – und das wusste Iris auch, denn sonst hätte sie nicht gezahlt. Aber es machte mich stolz, dass man in Büro so darüber sprach. Egal, wenn dem auch nicht so war. „Und das taugt dir auch noch, oder? Sonst würdest du nicht so blöd grinsen“. Es war mir entgangen, aber ich werde schon gegrinst haben. Der Gedanke machte mir solche Freude, dass ich mir sogleich nochmals vorstellte, welch anderen Stellenwert ich plötzlich bei den Weibern am Schalter hatte. Fand ich super. „Was heißt es taugt mir, was soll mir taugen, dass wir zusammen mittagessen, quatschten, sie am Sonntag wieder nach Cairo fliegt und wir uns bis dahin nicht mehr sehen werden. Was soll das schon sein? Was soll mir da taugen?“ „Ah, uns bis dahin nicht sehen werden. Wann werdet ihr euch denn sehen?“ „Überhaupt nicht, wollte damit sagen, wenn es so wäre wie du sagst, dann hätten wir uns wohl für heute Abend oder morgen verabredet, oder nicht?“ „Mir doch egal.“ Es wurde mühsam und entweder wir kamen auf normales Terrain oder ich würde den Abend vorzeitig enden lassen. Denn auf Streit und Herumgeplänkle hatte ich keine Lust. „Haben wir uns getroffen um über Iris zu streiten? Wenn ja, ich habe dazu definitiv keine Lust. Meine Vorstellung war, mit dir einen angenehmen Abend zu verbringen. Wenn das nicht möglich ist, lassen wir es besser.“ Eva versank im Sofa und schaute mich mit ihren dunklen Augen von unten treuherzig an. „Friede“: Sie streckte mir ihre Hand entgegen und ich schlug ein. „Tut mir leid, ich wollte nicht zicken. Aber im Moment ist mir alles etwas zuviel. Das mit dir, dann Iris und letztlich die ganze Action mit meinem Freund. Also von Anfang an. Wie du schon mitbekommen hast habe ich einen Freund. Wir sind seit 6 Jahren zusammen und haben in letzter Zeit so unsere Probleme. Wie es halt ist nach so langer Zeit. Man hat sich nicht mehr soviel zu sagen. Alles was man erlebt hat, hat man gemeinsam erlebt und alleine unternehme ich nicht sehr viel. Der Abend mit dir war das einzige Mal in den letzten Monaten, dass ich alleine weg war. Und das ging auch nur, weil Martin, so heißt er, das Wochenende mit Freunden weggefahren ist. So, und jetzt sag ich ihm, dass ich die Woche darauf schon wieder weggehe und wieder mit demselben Mann wie vorige Woche, verstand schon dass er ausgezuckt ist. Es spürt halt auch, dass es nicht mehr ist wie es war und das macht ihn unsicher. Also, warum ich mit dir reden wollte. Wie geht es dir mit unserer Geschichte?“ Wie es mir geht? Soll ich ihr sagen, dass ich ständig daran denke, dass ich so gerne mit ihr darüber gesprochen hätte, dass es mich gekränkt hat, dass es für sie nur ein One Night Stand war? Sicherlich nicht. „Was meinst du, wie es mir geht. Ich fand es toll mit dir zu schlafen und that’s it.“ „Ich dachte es mir, genau das dachte ich mir. Du willst einmal mit mir bumsen und aus. Ich Trottel, dachte echt, du fändest mich toll. Dachte ich gefalle dir, du magst mich, sorry. Alles OK.“ Eva hatte feuchte Augen und setzte jetzt ein künstliches Lächeln auf. „Meine liebe Eva – und was wolltest du? Du hast einen Freund, du schreibst mir auf einen Zettel“ – ich kramte in meine Geldtasche und holte ihren Zettel hervor ‚„vergiss die Flugverbindung, die kann ich mir selbst auch raussuchen. Ich möchte keinesfalls dass irgendwer im Büro von unserer Nacht weiß. Also bitte – Business as usual! Bussi Eva.” Was hast du gewollt außer einem One Night Stand?” Eva kullerten mittlerweile dicke Tränen über die Wangen und sie kramte in ihrer Tasche nach Taschentüchern. „Was weiß ich was ich wollte. Ich fand dich toll, du hast mir gefallen und ich war verliebt. Ja, ich war verliebt und hab nicht weiter nachgedacht. Aber ich habe niemanden zum bumsen gesucht. Für mich war es einfach mehr als ein Fick.“ Jetzt fühlte ich mich wie ein Schwein. Für was den Coolen spielen. Warum habe ich ihr nicht gesagt, was ich empfand? Ganz einfach, weil die Angst zurückgewiesen zu werden viel größer war als mein Mut. Ich nahm sie in den Arm und sie verkrallte sich schluchzend in meinem Polo. Langsam beruhigte sie sich wieder, blieb aber an mich gekuschelt. „Jeder bei uns am Schalter kennt Martin und ich wollte einfach nicht, dass da was rauskommt. Verstehst du?“ Das konnte ich verstehen, überhaupt konnte ich alles verstehen, seit ich wusste dass sie einen Freund hatte und ich fühlte mich sehr gut bei der Vorstellung, dass sie, obwohl sie einen Freund hatte, mit mir die Nacht verbrachte. Und sie hatte gesagt, sie war verliebt. Verliebt in mich. Ganz und gar nicht schlecht. „Alles ist gut. Kein Problem. Ich denke ich verstehe dich ganz gut.“ „Kein Problem? Natürlich ein Problem. Ich sitze hier mit dir eng umschlungen und habe zuhause einen Freund, der auch nicht zuhause ist.“ Eva hatte natürlich aus ihrer Sicht Recht. „Martin ist ein irrsinnig lieber Kerl und wir verstehen uns super und ich liebe ihn. So. Und in dich habe ich mich verliebt. Mit dir ist alles neu, alles interessant und spannend. Und der Sex ist aufregend und neu. So. Und was nun? Am liebsten würde ich jetzt sofort mit dir nach Hause gehen und ins Bett.“ Eva drückte sich an mich und griff mir auf den Oberschenkel. Die Vorstellung machte mir echt Freude. „Dann lass uns gehen.“ Eva schüttelte den Kopf „Aber wie soll das weitergehen? Ich will ja auch Martin nicht verletzen oder verlieren.“ Die Rolle des Liebhabers gefiel mir ganz gut. „Mich stört Martin nicht wirklich. Finde das ganz OK.“ Ich wirkte wieder sehr cool. Eva rempelte mich mit dem Ellbogen in die Seite und meinte „Klar, du willst ja nur bumsen und hast dich ja nicht verknallt in mich“. Sollte ich das so stehen lassen? Eine kleine Korrektur wäre nicht so schlecht, dachte ich mir. Also warf ich ein „So kann man das auch nicht sagen“ ein, was Eva nun so stehen ließ. „Los komm, wir fahren zu dir. Man lebt nur einmal.“ Eva stand auf, nahm mich bei der Hand und wir machten uns auf den Weg. Schmusen, reden, streicheln, bumsen, lachen, reden. Wir hatten es echt nett und als Eva um 02.00h beschloss, sich auf den Heimweg zu machen, fand ich das total öd. Aber so war unsere Situation und ich wollte diese nicht schwieriger machen. Ich begeleitete sie noch hinunter zum Taxi, wir küssten uns und weg war sie. Montag im Büro war eben wieder Montag im Büro. Stress und jeder wollte schnell irgendwohin. Wir sahen uns kaum, aber die paar Mal waren konspirativ, geheimnisvoll. Unser Geheimnis verband so stark, dass wir nicht reden brauchten und trotzdem wussten, was mit dem anderen los war. Am Wochenende hatte es sicherlich Zoff mit Martin gegeben und Eva hatte oft an mich gedacht. So wie ich an sie. Soweit war alles klar. Um uns aber zumindest auf ein Gespräch zu verabreden bedurfte es aber trotzdem traditioneller Kommunikation. In der Mittagspause rief ich sie von der Telefonzelle an und fragte sie, wann sie Zeit hätte. Diese Woche würde es nicht mehr gehen, aber am Sonntag fährt Martin zu seiner Mutter aufs Land. Und dann würde sie sich freuen, wenn wir uns treffen könnten. Perfekt in Ordnung. Mir machte die Situation Spaß und war froh, nicht Martin, sondern der Liebhaber zu sein. Die ganze Sache mit Eva hatte mir irrsinnigen Auftrieb und Selbstvertrauen gegeben. Niemals hatte mir bisher eine Frau so direkt gesagt, dass sie mich toll findet. Niemals noch hatte eine Frau ihren Partner betrogen, weil sie in mich verliebt war. Eine neue und eine tolle Erfahrung für mich. Die Woche verging mehr oder weniger ereignislos und ich freute mich auf Sonntag. Eva sagte, dass Martin bereits früh am Morgen abfahren würde und sie gegen 10.00h zu mir kommt. Das bedeutete, ich würde am Samstag alles für ein nettes Frühstück einkaufen, wir würden uns bei mir treffen, frühstücken, miteinander schlafen, kuscheln, vielleicht kurz spazieren gehen, in ein Kaffeehaus und wieder ins Bett. Lazy Sunday Afternoon der schon am Morgen beginnen würde. Am Freitag dann das De Javue – Anruf vom Schalter, eine Dame verlangt nach dir. Runter und Iris stand im Verkaufsraum. Einnehmend, bezaubernd. Sie trug diesmal ein graues Tweet-Kostüm, der Rocksaum zur Abwechslung in Kniehöhe. Diesmal sprach sie nicht mit Eva. Die tat geschäftig, warf mir jedoch einen ultrabösen Blick zu. Iris drückte mich herzlich und küsste mich auf beide Wangen. Nachdem ich nicht gedacht hatte, dass sie so schnell wieder in Wien sein würde, war ich etwas sprachlos, sicherlich auch wegen Eva, die ständig hinter ihrem Schalter hervorlugte und riesige Ohren machte, damit ihr ja nichts entgeht. „Ich möchte dich hier nicht lange stören, können wir uns vielleicht nach Büro irgendwo auf einen Drink treffen?“ „Sicher, wo?“ „Ich wohne diesmal nicht bei Claire, hab mir ein Zimmer im Marriott genommen. Wollen wir uns in der Lobbybar treffen, so gegen 19.30h?“ Mir war es recht und ich war froh, als Iris das Büro verließ. Beim Verlassen des Schalterraumes musste ich an Eva vorbei und ich spürte die Giftpfeile die sie hinter mir abschoss. Nur welches Recht hatte sie. Sie war mit Martin zusammen und nicht mit mir. Also konnte ich weggehen mit wem ich wollte. Es ging sie nichts an. Und Schluss. Die Schalterweiber hatten es wieder nicht gepackt, dass mich Iris im Büro aufsuchte um sich mit mir ein Date auszumachen. Schön langsam dachten die sich alle, dass sie mich mächtig unterschätzt hatten. Hocherhobenen Hauptes stolzierte ich aus dem Schalterraum die Treppe in mein Büro hinauf. Beim Gehen am Abend warf mir Eva noch einen verachtenden Blick zu, was mich nicht weiter beunruhigte. Es war nicht sehr viel Zeit bis zum Date mit Iris also beeilte ich mich nach Hause, duschte, zog mir frische Sachen an und rauschte schon wieder ab.

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