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Iris und Bali

| Erinnerung an eine alte Zeit |

Iris und Bali

Der Schotter knirscht unter den Reifen, ich lasse den Wagen im Leerlauf bis dicht vor die Fabrikmauer rollen, der Bewegungsmelder schaltet das Licht ein, ich stelle den Wagen ab. Die Autotür fällt schwer ins Schloss. Ich kann das Adagio von Albinoni fühlen, ich spüre die Energie. Ich spüre Sie.

Die alte, verrostete Eisentor sperrt leicht und öffnet sich geräuschlos. Ich gehe durch den schmucklosen Raum und drücke den Liftknopf. Mit einem leichten Rumpeln setzt er sich im ersten Stock in Bewegung um wenig später mit einem Ruck vor mir zu halten. Die Tür schiebt sich in Falten auseinander, öffnet den alten Transportlift, der gleich groß wie der Eingangsbereich ist. Er setzt sich mit gleichem Rumpeln wieder in Bewegung und ehe ich ihn durchschritten habe öffnet die Schiebetüre auf der anderen Seite den einzigen Zugang zu unserem Loft. Der Eingang wird von zwei Statuen aus schwarzem Holz, Originale aus der 18. ägyptischen Dynasty, dem Ende des neuen Reiches, flankiert.

Das Adagio von Albinoni hallt durch den Raum, das letzte Licht eines diesigen Nachmittags sickert durch die gegenüberliegende Fensterfront, die sich in fünf Bahnen zur Decke zieht und den Raum im Halbdunkel lässt.

Ich kann Iris nicht sehen und schlendere über den schwarzen Holzfußboden zum Sofa in der linken Hälfte des Raumes, versinke in den weichen Pölstern und dem Adagio. Die weite Leere des Raumes erhellt mittlerweile nur noch das Licht der Stadt. Das Adagio bäumt sich tief und schwer ein letztes Mal auf um dann zu erlöschen.

Iris steht stumm und unbeweglich da, die langen, schwarzen Haare fallen gleichmäßig auf Schulter und Brust, die schwarzen Augen leuchten im Dunkel ihres Gesichtes, welches wie poliertes Holz schimmert. Ebenholz.

Sie trägt einen heute einen Rock, einen schwarzen, weil sie selten anderes als schwarz trägt. Und sie trägt meist Hosen. Aber ich liebe es, wenn sie Röcke trägt. So wie heute. Der Rocksaum endet eine Handbreit über dem Knie, die hohen Absätze Ihrer Stiefel betonen ihre langen Beine. Und sie trägt meinen Lieblingspulli. Gerippter Rolli ohne Ärmel. Er zeigt ihre sportlichen Oberarme und betont ihre großen, festen Brüste.

Langsam schreitet sie auf mich zu, geht in die Hocke, streckt mir beide Handflächen mit gespreizten Fingern entgegen, ich presse meine Handballen an die ihren, die Finger verschränken sich ineinander, ihre Fingernägel graben sich in meinen Handrücken. Es schmerzt. Iris lockert ihren Griff, steht auf, verharrt eine Sekunde. Sie zieht den engen Rock etwas hoch, damit sie die Beine spreizen kann und setzt sich rittlings auf mich, drückt meinen Kopf an ihre Brust. „Sag, dass du mich vermisst hast, sag dass du verrückt nach mir bist, sag, dass ich dich sofort ficken soll".

Später kommt Iris aus dem Bad. Über den Haaren hat sie turbanartig ein Handtuch geschlungen, den schwarzen Bademantel an der Hüfte zusammengezurrt. Barfuss geht sie auf mich zu. Bevor sie sich neben mich ins Sofa sinken lässt, beugt sie sich vor und drückt mir einen Kuss auf die Stirn. Sie zieht die Beine an und stützt ihr Kinn auf die Knie. „Na, mein Süßer, wie laufen die Dinge? Nicht alles so, wie ich es gesagt habe?" Ja, sie hatte es so gesagt und es ist so gekommen. Jetzt spielt sie auf meine Zweifel an, welche mich vorher, während und nach den ersten, ereignislosen Wochen gepackt hatten. Sie hat es leicht. Muss nicht in dem Kaff hocken und die Scheiße ausbaden. Sie darf alles planen und wissen. Aber hier vor Ort bin ich.

„Genau so wie du es gesagt hast" Geb ich ihr Recht, weil sie Recht hat.

„Etwas einsilbig ist mein Süßer heute, gibt es einen Grund dafür? Fehlt uns vielleicht schon unser kleines Täubchen?" Iris legt einen zynischen Ton in die Frage. Ist nicht bester Laune, die Gute. Das alles sind ihre Idee und ihr Plan. Wir wussten von Anfang an, dass es nicht so einfach werden wird. Und jetzt kommt sie mit dieser Nummer. Ich war immer der Meinung, dass man nicht so einfach eine Beziehung mit einer Frau beginnen kann, ohne dass es Auswirkungen auf unseren Zustand hat. Iris war es, die immer wieder sagte, wie stark wir nicht sind und wie leicht wir das durchstehen werden. Und jetzt beginnt sie zu sticheln. Ich halte den Mund.

Iris greift mir an den Nacken, streicht mit der Hand über den Hinterkopf. „Gefällt sie dir?". „Sie ist nett und ich könnte nichts Negatives sagen. Ist mir aber lieber, als sie wäre ein Monster". „Also ist da doch etwas, ich spüre es". Sie verbeißt sich gerade. „Mein Gott Iris, wir verbringen viel Zeit zusammen, wir bumsen miteinander, klar musst du was spüren. Aber genau so weißt du wer zusammen gehört, wer für immer miteinander verbunden ist." Sie beginnt mich echt zu nerven. Wie sehr habe ich mich auf sie gefreut. Mir vorgestellt wie toll es sein wird, wieder ein paar Tage gemeinsam zu verbringen. In Harmonie. Nur wir beide. Und sie hört nicht auf.

"Du hättest ja den Streit nicht provozieren müssen, wenn es dich jetzt belastet." Iris kommt aus der Nummer nicht raus.

„Es belastet mich nicht im Geringsten und es war notwendig?" Halb gelogen, halb war. "Es ist dir ohnehin nicht wichtig dass wir uns sehen" Shit, es war mir natürlich wichtig nach gut sechs Wochen wieder mit ihr zu sein, gemeinsame Zeit zu verbringen. Wir müssen nur raus hier. Es ist sinnlos unsere gemeinsame Zeit hier zu verbringen. Einfach ein paar Tage raus. Irgendwohin in den Süden, ein paar Tage in der Sonne.

Ich möchte sie wieder spüren, möchte dass wir wieder zusammen sind, wie wir früher zusammen waren.

Wir sitzen in der Lounge des Flughafens. Bis zum Abflug sind es noch gut 50 Minuten. Die freundliche Dame von der Fluglinie sagte, sie würde uns zeitgerecht abholen und zum Flugzeug bringen. Ich nippe an meinem Whiskey, Iris trinkt wie immer Wasser. Allein der Beschluss, ein paar Tage nach Bali zu fliegen hat schon viel wieder ins Lot gebracht. Wir sind beide in Urlaubsstimmung, scherzen, lachen, sind bei uns.

Ich rauche mir gerade eine Zigarette an als die freundliche Dame vor uns steht. "Die meisten Passagiere sind schon an Bord - darf ich sie nun auch bitten." Gerne. Ich drücke die Zigarette aus und schnappe meine Reisetasche. Die freundliche Dame bringt uns zum Gate, durch die Sicherheitskontrolle und direkt zu unseren Plätzen in der Business Class.

Gerne nehme ich das angebotene Glas Champagner, ein paar Illustrierte, Zeitungen. Iris vertieft sich in ein Buch. Nach weniger als 10 Minuten werden die Türen geschlossen und das Flugzeug rollt zur Startbahn. Wir warten nochmals ein paar Minuten, die Triebwerke heulen auf, es drückt uns kurz in die Sitze und schon sehen wir den Flughafen von oben. 10 Stunden nichts zu tun als lesen, essen, trinken, schlafen. Für mich immer geschenkte Zeit, weil man eben nichts anderes machen und es darum mit gutem Gewissen stundenlang tun kann.

Ich habe nicht mal die Tageszeitungen gelesen, als man beginnt, Essen zu servieren. Ich lasse es mir schmecken. Das Dessert ist noch nicht gegessen, als ich ein letztes Glas Riocha leere, nach einer Wasserflasche verlange und mich schlaffertig mache. Iris liest noch immer und wird bis zur Landung lesen. Flugzeit ist lesen und nichts anderes. Sie hat nichts gegessen, nur Unmengen Wasser getrunken. "Gute Nacht meine Liebe" "Gute Nacht, Süßer. Bis Morgen".

Ich versinke in einen traumlosen Schlaf und wache erst kurz vor der Landung mit einem pelzigen Geschmack im Mund auf. Frühstück verschlafen. Die Flugbegleiterin bringt mir freundlicherweise noch einen Kaffee und ein Glas Tomatensaft. Warum trinke ich beim Fliegen immer Tomatensaft - weil mir danach ist - klar. Aber warum ist mir nur beim Fliegen danach. Trinke sonst niemals Tomatensaft. Ob es all den anderen auch so geht, die sich im Flugzeug Tomatensaft bestellen? Ich werde von einem "Fasten Seatbelts usw. usw." aus meinen Überlegungen gerissen. Wir schicken uns an, auf Bali zu landen.

Ich nehme Iris am Arm und sie schenkt mir ein entspanntes Lächeln. "Here we are".

Beim Aussteigen aus der Maschine die übliche Tropenwatsche. 95% Luftfeuchtigkeit und 35 Grad Hitze. Welcome to Bali. Die Luft umhüllt uns wie ein feuchter Mantel, innerhalb von Sekunden fühlt sich die Kleidung klebrig an.

Die Sonnenbrillen laufen an und die Stirn ist schweißnass. Die Passkontrolle kostet uns etwas Zeit und Nerven. Der Zöllner lässt uns dann noch kurz eine Tasche öffnen und schon sind wir mitten im Menschengewirr vor dem Flughafen. "Taxi, Transport, Hotel, cheap Hotel, where you are going" Wir halten Ausschau nach einem Schild mit unserem Namen. Ganz am Rand der Empfangsmeute steht ein Balinese mit einem großen, weißen Schild - unser Pick-Up. "Welcome to Bali! My name is Made, you had a nice flight?" Ja, danke, hatten wir. Er schnappt sich die Tasche von Iris und bugsiert uns zu einem Landrover. Ab nach Ubud. Er schaltet die Klimaanlage auf höchste Stufe und nach wenigen Minuten fröstelt es uns. Wir bitten ihn abzudrehen und die Fenster zu öffnen. Mit ungläubigem Blick folgt er unserem Wunsch.

Durch balinesischen "es gibt keine Regeln" Verkehr kämpfen wir uns Dorf um Dorf Richtung Norden. Keine Stunde später und wir halten vorm Traumhotel, unserem Haus am Rand von Ubud, oder besser gesagt, vor der Mauer, die es umschließt. Der Eingang sieht aus, wie das Tor zu einem Tempel. Made öffnet die mit Schnitzereien verzierte Doppeltür und wir stehen in einem kleinen Hof. Vor uns steht reisstrohgedeckt ein typisch balinesisches Haus. Über in den Rasen eingelassene Steinplatten gehen wir um das Haus herum. Es öffnet sich eine atemberaubende Sicht in eine Schlucht. Die Hänge mit Reisfeldern gesäumt, gräbt sich am Grund ein Fluss seinen Weg. Die Anlage besteht aus zwei Häusern und ist den Hang hinein gebaut. Ganz unten befindet sich ein Swimmingpool, welcher sich über eine Begrenzungsmauer in die Schlucht ergießt. Oder zumindest diesen Eindruck erweckt. Denn dahinter ist eine Auffangrinne und das Wasser wird wieder in den Pool gepumpt. Das Haupthaus zieht sich über fast die Gesamte Breite des Grundstückes, hat eine Glasfont zur Schlucht und ist klimatisiert. Daneben auf Stelzen steht eine Art Lusthaus. Vom Haupthaus über das riesige Bad zu erreichen, ist es auf drei Seiten offen, nur mit weißen Leinenvorhängen geschützt. Darinnen steht auf einem Potest ein riesiges Himmelbett aus Teakholz. Ich ziehe die Vorhänge zur Seite und lege mich probeweise auf das Bett. Rundherum ist nur das Grün der Baumkronen zu sehen, es weht eine leichte Brise. Tief ziehe ich die feucht Luft in meine Lungen.

Ich bin offensichtlich eingenickt, denn als ich aufsehe steht Iris vor mir. Sie hat einen Kimono übergeworfen welcher lose von den Schultern hängt. Auf ihren großen, dunkeln Brüsten perln Wassertropfen vom duschen, ihre Schamhaare glänzen feucht. Sie beugt sich über mich und drückt mir ihre Brüste ins Gesicht. Ich beginne ihre großen Warzenhöfe mit meiner Zungenspitze zu umkreisen, nehme die sich verhärtende Brustwarze zwischen die Zähne. Iris beginnt tief zu atmen. Ihre feuchten Haarspitzen hängen mir ins Gesicht. Mittlerweile haben sich beide Brustwarzen zu schwarzen Nippeln verdichtet, ich streiche über ihren Rücken, den Nacken. Iris reißt sich los, zieht mir die Short über die Knie und schiebt sich meinen Schwanz in ihre nasse Grotte. Sie reitet mich hart und noch bevor sie auch nur in den Bereich eines Orgasmus kommt, entleere ich mich in ihr. In ihrem Gesicht kann ich lesen, dass sie es so beabsichtigt hat. Sie steigt von mir herunter und verschwindet ins Bad. Ich greif mir die Zigaretten vom Bettrand und steck mir eine Marlboro an. Die Sonne beginnt die Wolken rosa zu färben - in weniger als einer Stunde wird es stockdunkel sein. Vögel, Frösche, Insekten beginnen ihr atemberaubendes Konzert um den Tag zu verabschieden, quaken, zirpen, schreien, singen, schnarren. Schrill und sanft, leise, laut. Dschungel. Ich stehe auf. Unten am Poolrand sitzt Iris im Lotossitz und meditiert. Ich störe sie nicht, gehe ins Haupthaus und rufe Made an. Es ist 17.45h und ich habe Hunger. Made meint, am besten wird es sein, wenn er uns nach Ubud hinein fährt und dort haben wir in Gehweite eine Anzahl guter Restaurants. Klingt vernünftig. Ich bestelle ihn für 18.30h.

Made ist pünktlich - für einen Balinesen eine seltene Tugend. Wir fahren nach Ubud hinein und entscheiden uns gleich für das erste Restaurant. Es ist wie viele Lokale hier einem Tempel nachempfunden. Wir nehmen zweimal Nasi Goreng mit Shrimps, Mango-Lassi, danach noch einen Bali-Kopi und sitzen in weniger als einer Stunde wieder im Auto zurück. Mittlerweile sind wir beide hundemüde. Kurz ins Bad und es dauert nur wenige Augenblicke bis ich tief schlafe.

Johanna liegt eng an mich geschmiegt vor mir im Bett. Ich löffle sie von hinten, sie hält meine Hand an ihre Brust gepresst. Ich blase ihr leicht an den Rücken, fahr mit der Nase durch Ihr Nackenhaar. Sie schiebt sich noch näher an mich rann. Ich küsse Ihren Hals, die Ohrläppchen. Ich streichle ihre Arme und den Bauch. Ihr Hintern drückt sich gegen meine Erregung. Ich streichle ihre Brüste. Plötzlich fast sie meine Hand und schieb sie mit einem Ruck weg, löst sich aus meiner Umarmung. Ich versuche nochmals nachzufassen.

"Was ist los mit dir, kannst du nicht schlafen?" Iris ist aufgewacht und goutiert meine nächtliche Annäherung nicht, ich bin verwirrt nicht mit Johanna im Bett zu liegen. Jetzt bin ich hellwach und drehe mich von einer Seite auf die andere.

Ich ziehe mir ein T-Shirt über und gehe hinunter zum Pool, leg mich auf eine der Liegen. Der Himmel ist sternenklar. Unglaublich wie viele Sterne zu sehen sind. Unglaublich wie wenige man bei uns nur sieht. Luftverschmutzung, das Licht der Städte, Lichtverschmutzung.

Was wohl Johanna macht? Zuhause ist es gerade mal 18.00h am Abend. Wahrscheinlich ist sie gerade nachhause gekommen und Rosa hat ihr eine Kleinigkeit zum Essen gerichtet. Wir hatten uns jetzt bereits fünf Tage nicht gesehen und ich erwischte mich immer öfters dabei, an sie zu denken. Aber immerhin hatten wir die letzten Wochen viel Zeit gemeinsam verbracht. Uns doch kennen gelernt, miteinander geschlafen. Rational gesehen war alles klar. Aber emotional ist es offensichtlich doch so, dass sie mir nicht egal ist. Und Schluss mit dem Gefühlsdusel. Mein Lebensmensch ist Iris. Durch sie habe ich meinen Lebenssinn gefunden. Mit ihr will ich sein. Alles andere darf nichts bedeuten und wird nichts bedeuten.

Am nächsten Tag zeigt sich der Himmel mit dicken Wolken verhangen. Wegen der Zeitverschiebung schlafen wir bis spät in den Vormittag hinein. Made hat uns auf der Terrasse vor dem Haupthaus eine Thermoskanne mit Kaffee und einen Früchtekorb hingestellt.

Ich schneide eine Mango und eine Ananas auf, schäle zwei Bananen und nehme mir Kaffee. Iris sitzt mit angezogenen Beinen auf ihrem Teakholzsessel und nascht von den Früchten. Es dauert sicherlich noch eine halbe Stunde bis sie sich in dieser Welt einfindet und ansprechbar ist. Ich habe für mich schon verstanden, dass es für jeden von uns zwei Welten gibt, in denen wir leben. Die spirituelle und die physische. Die meisten Menschen nehmen bewusst nur die physische wahr – außer sie träumen. Nun kann aber jeder Mensch auch unter Tag und bewusst in die spirituelle Welt eintreten, sich dort aufhalten, und wieder zurück in die physische Welt kommen.

Iris verbringt mehr Zeit in der spirituellen Welt als in der physischen – und braucht daher auch viel länger, um den Übergang zu schaffen. Ich bin es von ihr gewohnt und es macht mir nichts aus.

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