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Lake Batur

| Erinnerung an eine alte Zeit |

Lake Batur

 

„Kommst du mit zum Lake Batur?" Iris holt mich aus meinen Erinnerungen. Alles gut. Wir sind in Bali und sie ist wieder im Diesseits und spricht. Die Erinnerung an Cuba lässt mich auch heute noch ein wenig nervös werden. Alles vorbei. Vergangenheit, zum Glück.

Iris will offensichtlich zu einem See fahren.

„Gerne, wann?" Ich zeige Interesse, obwohl es mir eigentlich egal ist. Hier zu sein, durch die Insel zu fahren, was auch immer. Ich genieße die Wärme, das Grün, die Reisfelder, die Menschen, die positive Energie. Kein Nebel und kein Winter.

„Heute Nachmittag und wir bleiben bis Morgen" Mir soll es recht sein. Ich frage nicht viel weiter. Sie hat sich was überlegt, ich kann mitkommen oder es bleiben lassen. Ich komme mit.

Am späten Nachmittag fahren wir los. Es geht auf unglaublich engen Strassen durch unglaubliche Täler mit unglaublichen Reisterrassen. Tiefes, sattes Grün, Balinesen bei der Reisernte – Postkartenkitsch pur. Wir fahren Richtung Norden. In unserem Fall auch geographisch, für den Balinesen ist immer dort Norden, wo der Berg ist, auch wenn der im Süden liegt. In unserem Fall der Mount Batur, ein Vulkan, dessen Kaldera der Lake Batur füllt, der größte See Balis. Soweit habe ich mich noch im Reiseführer informiert.

Mittlerweile haben wir die Reisterrassen hinter uns gelassen und bewegen uns auf engen Serpentinen einen bewaldeten Hang hoch. Es geht nur sehr langsam voran, sobald ein Bus oder Lastwagen entgegen kommt, heißt es, zu einer Ausweichstelle zurückschieben. Und das passiert alle paar Minuten.

Wir dösen dahin und haben aufgehört in den immergleichen Wald zu starren. Plötzlich wird es hell und die Landschaft ergießt sich in einen riesigen Krater, im Hintergrund wacht mächtig der Vulkan. Strahlendblau der See am Grund. Wir fahren entlang des Kraterrandes. Als wir schon die Häuser von Kintamani, dem kleinen Ort am Kraterrand, sehen, biegt Made auf eine steil abschüssige Strasse hinunter zum See. Wir sind da.

 

Auf der Terrasse unseres Bungalows stehe ich, nur mit einem Polo bekleidet und friere. Über dem See liegen dichte Nebelschwaden und man kann den Sonnenaufgang nur erahnen. Hier, auf rund 1400 m Seehöhe ist es wirklich kalt und bereits nach wenigen Minuten super ungemütlich. Trotzdem stehe ich hier und hoffe, dass mich die durchdringende Kälte wieder zurück bringt. Zurück nach Bali, zurück zu Iris. Nach einer unruhige Nacht mit Träumen von Johanna bin ich verwirrt und durcheinander. Am schlimmsten war die Enttäuschung, neben Iris aufzuwachen. Der Wind treibt die Nebelschwaden über den See und wahrscheinlich über den Kraterrand. Sehen kann ich es nicht, aber es wäre logisch. Durch den Nebel kann man immer stärker die Sonne erahnen, die einen strahlend hellen Kreis in das Grau zeichnet.

Die Kälte siegt und ich gehe zurück in den Bungalow, den wir für die eine Nacht bezogen haben. Iris sitzt im Bett und lächelt mich wissend an. Mit einer Kopfbewegung bitte sie mich zu ihr. Ich steige zu ihr ins Bett, sie nimmt mit beiden Händen meinen Kopf und drückt mir einen langen, warmen Kuss auf die Lippen, streichelt mir kurz über den Hinterkopf und lässt mich los. "Werd mich fertig machen, in einer halben Stunde kommt das Boot".

Gleich nach der Ankunft gestern Abend hat sie Made losgeschickt alles für heute zu organisieren. Wir werden mit einem Boot zu einem Dorf am anderen Seeufer fahren. Genau gesagt ins Dorf Trunyan. In diesem Dorf leben die Ur-Balinesen, die Bali Aga. Der Reiseführer sagt, dass es nicht zu empfehlen ist, hinzufahren, die Menschen sind den Touristen gegenüber feindselig eingestellt und fordern recht nachdrücklich Geld von jedem, der das Dorf betritt. Nur fair, denke ich, warum sollten sie auch freundlich sein, wenn sie ständig von Touristenhorden gestört werden – und finde es billig, wenn sie dann wenigstens Geld dafür fordern.

Das Boot ist ein schmales, langes Ding mit einem riesigen Motor aus dem eine lange Stange ins Wasser ragt. Unser Bootsführer reißt den Motor an und mit ohrenbetäubendem Lärm geht es über den See. Zum Glück habe ich eine Jacke mit, ich ziehe sie fest über die Brust, trotzdem fröstelt mich. Wir fahren eine ordentliche Geschwindigkeit und der Fahrtwind macht es eisig. Iris sitzt hinter mir, aufrecht, ungerührt, das langer Haar weht im Wind.

Nach ca. 20 Minuten erreichen wir das Dorf. Eine breite Steintreppe die ins Wasser führt, darauf ein paar halbnackte Kinder, die Dorfbewohner machen sich für unsere Ankunft bereit, bewegen sich Richtung Anlegestelle. Das Boot legt der Länge nach an und wir steigen aus. Die ersten Frauen kommen auf mich zu, halten inne, bleiben stehen. Iris steht hinter mir und die Dorfbewohner starren sie an. Sie steigt die drei Stufen hoch und schreitet durch das Dorf. Menschen lugen aus den Häusern, verhalten folgen uns Leute. Niemand spricht uns an, niemand kommt zu nahe. Zielbewusst geht Iris in Richtung Dorfende, wo unter einem riesigen Bayan Baum ein Tempel steht.

Wir lassen unsere Schuh vorm Eingang stehen und gehen in den Tempelhof, der vom Stamm des Baumes fast ausgefüllt wird. Iris kniet sich unter den Baum, betet und versinkt dann im Lotussitz. Eine kurze Armbewegung deutet mir, ihr gegenüber Platz zu nehmen. Ich setzte mich ebenfalls auf die Erde. Alles ist voller Energie, sie durchströmt mich. Ich öffne mein Hauptchakra wie Iris es mir gelernt hat und lasse die Energie durch mich fließen. Schauer durchströmen meinen Körper, unendliche Kraft und Klarheit. Ich sehe unsere Aufgabe, ich sehe unsere Vergangenheit und ich sehe unsere Zukunft. Ich sehe Iris und mich wie wir uns lieben, als wir schon einmal zusammen waren, damals in der 18. Dynastie, damals in unserer alten Heimat Ägypten.

Ich spüre eine Hand auf meinem Scheitel und öffne die Augen. Iris kniet vor mir, eingehüllt in weißen Licht. Ihre Aura leuchtet hell. Um ihren Mund ein gütiges Lächeln. „Alles klar? Wollen wir zurück?" Ja, alles klar. Gehen wir, gehen wir wohin auch immer du mich führst.

Mittlerweile ist der Nebel strahlendem Sonnenschein gewichen und wir fahren über einen strahlend blauen See zurück zum Bungalow und beschließen, noch ein paar Stunden zu bleiben. Ich mache es mir auf der Terrasse gemütlich. Es ist nicht sehr heiß gerade angenehm.

Auf dieser Höhe spürt man die Tropen nicht. Es ist trocken und warm, keine glühende Hitze mit hoher Luftfeuchtigkeit. Auch Ubud liegt höher und ist erträglich. Nicht wie Cuba, Subtropische Schwüle, die alles langsam macht, das Denken, die Bewegung. Und schon war ich wieder zurück, bei der Reise, mit der alles begann.

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