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Menech

| Erinnerung an eine alte Zeit |

Menech

Das erste Mal begegneten sie sich, an der Baustelle von Hatschepsut´s Tempel in Deir el-Bahri. Menech war als Hohepriester oft an der Baustelle und Merire, Ipui und Paneb arbeiteten dort als Schreiner. Merire erinnerte sich noch gut an diesen Tag, als man nach ihm schickte. Er möge in der Essenspause kommen, Menech habe mit ihm zu sprechen. Was konnte das schon heißen. Sicherlich hatte jemand über die Verfehlungen seines Vaters geschwätzt. Und obwohl tausende Arbeiter und Handwerker am Tempel arbeiteten – irgendwie wird es bis nach oben gegangen sein. Merire arbeitete gerade daran, eine Kopfstütze zu verzieren, doch nun ging ihm nichts mehr von der Hand. Die Sonne kroch unendlich langsam am Horizont empor. Der „helle Tag" und somit die Essenspause wollte nicht kommen. Vielleicht wäre es ohnehin besser, die Baustelle gleich zu verlassen. Andererseits, würde sich Menech damit beschäftigen, einem Schreiner mitzuteilen, dass er auf einer Baustelle nichts mehr zu suchen hatte, für die er gar nicht verantwortlich war? Wenn müsste es von seitens Senenmut, dem Oberbaumeister kommen. Und auch der würde sich nicht mit einem kleinen Wurm wie ihm beschäftigen. Da gab es Baustellenleiter, Aufseher und was nicht sonst noch alles. „Können wir etwas für dich tun?" Ipui und Paneb schlichen um ihn herum wir zwei Katzen. Es beunruhigte sie zutiefst, wenn Merire seine Launen hatte oder Probleme wälzte. Ihre Unterwürfigkeit widerte ihn an. „Habt ihr nichts zu tun, ist das Tagwerk bereits erledigt?". Sie wussten nichts von seiner Geschichte und würden auch nie davon erfahren.

Endlich war es soweit und Merire stapfte dem Sklaven nach, der ihn holen kam. Am Rande der Baustelle befanden sich einige Zelte für die Architekten und Verwaltungsbeamte. In einem dieser Zelte empfing ihn Menech. Er war ein großer, feister Mann. Er trug keine Perücke und sein rasierter Schädel ließ ihn noch bulliger wirken. Merire war nicht wohl in seiner Haut. Allein der Anblick von Menech war bedrohlich genug. Das konnte nichts gutes heißen.

Überraschender Weise hatte Menech eine tiefe, sanfte Stimme. Er gehieß Merire sich auf einem Kissen niederzulassen und schickte einen Sklaven frisches Wasser zu holen. Dann ließ er das Zelt räumen und die beiden waren alleine. „Nun Merire, wie geht es dir auf unserer Baustelle? Bist du zufrieden?" „Ja, ich bin sehr zufrieden" „Du bist sehr zufrieden mit deiner Arbeit als Schreiner, obwohl noch dein Großvater Schreiber im Dienste des Einen war?" Alles vorbei. Sie waren im auf die Schliche gekommen und damit war auch diese bescheidene Anstellung verloren. Es war ihm nicht vergönnt ein normales Leben zu führen. Wie viele Generationen sollte das noch weitergehen? „Man muss sich mit dem bescheiden was einem vorgesehen ist." Menech lächelte sanft. „Wohl wahr, nur ist es fair? Was kann der Enkel für den Großvater? Und warum wurde dein Großvater für etwas bestraft, was man anderen zugestand? Ich kenne deinen Fall und ich kenne deine Familie. Es ist nicht fair. Glaube mir das". Merire war verblüfft. Der Hohepriester sprach wie aus seinem Munde. Aber konnte er ihm trauen? Was, wenn es nur eine Falle war, was wenn Menech nur auf seine Zustimmung wartete um ihn dann erst recht zu bestrafen? Merire senkte bescheiden den Kopf ohne etwas zu sagen. Menech fuhr fort „Du kannst mir vertrauen. Auch ich bin kein Freund der Hatschepsut. Mein Schüler ist Thutmosis III dem man nun schon seit Jahren den Thron vorenthält und auf meiner Nase tanzt dieser Senenmut herum. Senenmut, dieser Emporkömmling, weißt du, dass er von ganz normalen Felachen abstammt. Nur weil er sich schon früh bei der Einen eingeschlichen hat steht er über uns allen und schaut auf uns arrogant herab. Mein Interesse ist es, Thutmosis III so schnell es geht seinen rechtmäßigen Thron zu sichern. Dazu ist mir und meinen Vertrauten jedes Mittel recht. Aber wir sind noch zuwenig und darum habe ich dich ausgewählt mit uns gemeinsame Sache zu machen. Du bist von rechter Gesinnung. Also was ist mit dir? Willst du ewig Schreiner bleiben oder wieder zu Amt und Würde kommen?" Merire wusste noch immer nicht recht. Zu schön klangen die Worte Menechs. Konnte er dem Priester trauen? Wenn es eine Prüfung war, würde Menech nicht Dinge erzählen, die auch ihm den Kopf kosten konnten. Also was soll’s. Ewig Schreiner bleiben. „Ja, lass mich dein Diener sein. Befiehl mir und ich gehorche". Menech deutete ihm aufzustehen und erhob sich ebenfalls. Er war um mehr als einen Kopf größer als Merire. Er legte seine Hand auf seine Stirn und blickte ihm tief in die Augen. „Und kein Wort zu irgend jemanden. Du wirst bald von mir hören. Und nun geh zurück zu deiner Arbeit."

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