Gelöste Pflanzenasche hat die Eigenschaft einer Lauge. Diese Erkenntniss brachte bereits die Sumerer dazu Seifen zu erzeugen. Sie vermengten die Asche mit Fett und fertig war die erste Seife. Dass man sich damit Waschen kann blieb ihnen verborgen, wobei anzunehmen ist, dass die Körperpflege nicht zu den vordringlichsten Themen gehört haben dürfte. Nein, man verwendete die Seife als Heilmittel für Verletzungen. Und so taten es die Ägypter und die Griechen. Erst den Römern diente sie dann zur Körperpflege. In der heute bekannten Form wurde Seife aber erst von den Arabern im 7. Jahrhundert hergestellt. Sie verkochten Lauge mit Öl. Sie brachten die Seife nach Europa gemeinsam mit Frankreich wurde Spanien zum Zentrum der weltweiten Seifenherstellung. Nachdem man im Mittelalter davon überzeugt war, dass Krankheit durch das Saubermachen des Körpers entsteht, hütete man sich vor Wasser und Seife. Selbst Ärzte waren der Meinung, dass wasser und Luft dem Körper schadeten. Dann kam das aufgeklärte, bürgerliche 19 Jahrhundert und alles änderte sich. Man wusch sich regelmässig und die Seife kam in Mode. In den frühen amerikanischen Kolonien wurde Seife meist aus tierischen Fetten, der Asche von Bäumen und Regenwasser erzeugt. Erst 1823 bestimmte der französische Chemiker Chevreul die Zusammensetzung von Fetten und erklärte damit den chemischen Vorgang des Seifenmachens. Von nun an konnte mit Rezepten statt mit "trial and error" gearbeitet werden.
Seifen im Kaltverfahren herstellen
Seife zuhause von Hand herzustellen ist eine interessante und auch spannende Angelegenheit. 100% weiß man im vorhinein nie, ob eine ordentliche Seife oder ein unbrauchbarer Brei herauskommt. Es gibt mittlerweile im Netz unzählige Rezepte und mit etwas Übung sollten Sie konstant brauchbare Ergebnisse erzielen.
Um ans Ziel zu kommen gibt es verschiedene Herstellungsprozesse. Ich möchte nachstehend das Kaltverfahren beschreiben, welches für den Privatgebrauch das beliebteste Verfahren zu sein scheint. Wobei Kaltverfahren eine irreführende Bezeichnung ist, das Kaltrühren oder Kaltverseifen findet letztlich trotzdem bei Temperaturen um die 85 Grad statt.
Zutaten
Für die Herstellung der Seifen kann man entweder nur pflanzliche Öle oder Fette wie Olivenöl, Kokosfett, Rapsöl usw. verwenden oder man mischt sie mit Talg oder Schmalz. Verschiedene Öle und Fette haben unterschiedliche Härten, sind anders in der Schaumbildung und Stabilität. Über das Mischverhältniss gibt man den Seifen unterschiedliche Eigenschaften.
Damit aus Fett und Öl Seife entsteht bedarf es der Natronlauge (NaOH). Entscheidend ist das richtige Verhältnis und jedes Öl braucht eine bestimmte Laugenmenge damit daraus Seife gebildet werden kann. Die Seife darf nicht zu basisch und auch nicht zu ölig sein. Dazu gibt es genaue Tabellen wie z.b. diese Verseifungstabelle und damit kann die notwendige Laugenmenge genau bestimmt werden.
Verseifung
Bei ca. 50-60 Grad sollte Fett und Lauge vermengt werden und dann verseift. Die Verseifung war einmal ein sehr langwieriger Prozess und bedurfte stundenlanges Rühren. Heute nimmt uns der Stabmixer die Arbeit grösstenteils ab. Aber Achtung. Maximal 1-2 Minuten mit dem Stabmixer rühren, dann wieder händisch. Wenn man nur mit dem Stabmixer arbeitet entsteht eine Emulsion und der Verseifungsprozess kommt nicht in Gang.
Das Geheimnis handgemachter Seifen liegt im Kaltprozess. Seife ist das chemische Produkt der Zerlegung von Fetten: Fette werden mit Natronlauge gekocht. Dabei werden sie in Glycerin und Natriumsalze der Fettsäuren zerlegt und an ein Glycerinmolekül hängen sich drei Fettsäuremoleküle an. Beim Verseifen wird dieses Fettmoleül aufgespalten und die drei Fettsäureteile verbinden sich jeweils mit einem Laugenmolekül und bilden so ein Seifenmolekül. Das Glycerin bleibt übrig und kann beim Waschen seine pflegenden Eigenschaften entfalten. Eine besonders reine Seife erhält man durch mehrfaches und tagelanges Kochen und Ausfällen der Seife, weil dadurch die verbliebenen, von der chemischen Reaktion nicht aufgebrauchten Laugen beseitigt werden. Solche Seifen werden derzeit vor allem in Syrien hergestellt. Das Produkt wird dann getrocknet und in die entsprechende Form gepresst. Die verschiedenen Farben erhält die Seife durch den Zusatz von Farbstoffen, Seifen variieren auch durch nachträglichess Hinzufügen von Cremes und ätherischen Ölen.
Zugaben
Die Masse wird nun immer dicker und jetzt ist es wichtig, den richtigen Moment zu erwischen um Düfte, Farben oder Pflegeöle einzumischen. Idealer zustand ist der von mitteldicker Cremesuppe. Beliebte Pflegeöle sind:
Avocadoöl
Jojobaöl Die Bezeichnung ÖL ist irreführend - ist es doch ein Wachs. Jojoba ist ein Wüstenstrauch, welcher in Mexiko, Kalifornien und Arizona im Gebiet der Sonora-Wüste vorkommt. Jojoba lässt die Seife prächtig schäumen.
Sheabutter In den sudanesischen Savannen zwischen Uganda und Senegal wächst der Karitébaum. Seine Samen werden Kariténuss genannt und aus diesen wird Sheaöl oder Sheabutter, auch Galambutter oder Karitéfett genannt, gewonnen. Das fertige Fett ist butterartig, geruchlos und zäh. Bei der Seifenherstellung ist Sheabutter für die Festigkeit und Härte verantwortlich.
Kokosnußöl Kokosöl/Kokosfett macht Seifen hart und glatt. Kokosölseifen schäumen auch in kaltem und salzigem Wasser reichlich. Kokosöl kann aber bei zu hohem Anteil in der Seife austrocknend und reizend wirken deshalb immer mit anderen Ölen mischen.
Rizinusöl Rizinusöl ist gut haltbar und farblos. Obwohl es die Schaumbildung verhindert, sollte man es zur Seifenherstellung dann verwenden, wenn man weiche, feuchtigskeitsspendende Seifen herstellen möchte. Die Seife hinterlässt einen seidigen Glanz, beid er Herstellung dicken die Seifen nur sehr langsam ein.
Weizenkeimöl Seine beruhigende Wirkung ist bekannt und darum wird es auch pur zur Hautpflege verwendet. Der Part des Weizenkeimöles ist, die Haltbarkeit von frischen Zutaten zu verlängern.
Wenn Sie die Seife färben möchten, gibt es im Farbhandel Farben mit stabilen Pigmenten. Das ist wichtig, weil niemand will, dass die Fare abfärbt. Daher sind Lebensmittelfarben auch ungeeignet. Natürlich kann man die Seife auch ungefärbt lassen - ohne Farbe hat die Seife einen gelblichen Ton.
Um der Seife den gewünschten Geruch zu geben verwendet man am besten Duftöle und experimentiert mit verschiedenen Kombinationen bis man den gewünschten Duft komponiert hat.
Parfume
Welches ist unser ältestes Wahrnehmungsorgan? Richtig. Der Geruchsinn. Seit Anbeginn der Welt steht er als Kommunikationsmittel zur Verfügung. Bereits Einzeller sendeten die ersten Duftbotschaften aus. Jedes Lebewesen kommuniziert mit Duft. Gerüche werden ausgesendet und von anderen wahrgenommen und interpretiert. So produziert jeder Mensch, abhängig von seinen Ernährungsgewohnheiten, Alter, Geschlecht usw. seinen eigenen Geruch. Scheinbar können wir uns alle selbst nicht riechen - denn genau diesen individuellen Geruch versuchen wir mit allen Mitteln zu überdecken. Deos, Parfumes, Seifen, Shampoos. Und hinter dem, was uns die Werbung für diesen Duft verspricht. Weiblich, sexy, starker Mann, Verführer. Erprobt und wirksam. Und Millionen von Kunden riechen gleich. also bleiben wir mit unserem geborgen Geruch auch anonym. Und vielleicht ist es ja das, was wir gerne möchten. Anonym zu bleiben. Wenn nicht, sollten wir uns fragen, was erwarte ich von meinem Parfum?
- bin ich mit meinem Eigengeruch nicht zufrieden? Dann sollte ich zu erst an meiner Ernährung und den Lebensgewohnheiten drehen. Ihr Duft wird von innen verändert und zur unterstützung kann man ein passendes Naturparfum einsetzen
- möchte ich nicht sosehr meinen Eigengeruch als meine Ausstrahlung verändert. Eine andere Aussenwirkung erzielen? Dazu benötige ich jedoch ein Parfum, welches stärker nach innen als nach aussen wirkt.
- möchte ich die Anonymität, möchte ich möglichst nichts von mir ausstrahlen - dann bin ich bei einer Industriemarke bestens aufgehoben.
Ich kann mir jederzeit um 70-100 Euro das Image einer Marke borgen.
Wenn wir nun wieder an die Kommunikation mit Gerüchen denken kommen wir schnell zum Thema Erotik. Zum einen verbinden wir mit manchen Gerüchen erotische Gefühle. Das kommt aus Erlebnissen in der Vergangenheit. Stellen wir uns eine erotische Beziehung vor die uns sehr erregt hat. Und stellen wir uns vor, die Person trug jedesmal das gleiche Parfume. Lange Zeit später riechen wir dieses Parfume zum ersten Mal wieder bei einer anderen Person und plötzlich finden wir diese Person sehr attraktiv. Vielleicht ist es ihnen schon passiert. Jedenfalls wäre es nicht Ungewöhnliches.
Aber nicht nur das Parfume anderer wirkt auf uns - das eigene Parfume hat auch eine Wirkung auf uns selbst und verändert damit auch unser eigenes Verhalten. Wenn ein Parfume den körpereigenen Geruch unterstreicht wird sich dadurch zusätzlich eine erotische Ausstrahlung ergeben. Aber erotische Ausstrahlung ist natürlich nur ein Teil dessen, was uns ein Parfume geben kann. Der richtige Duft gibt uns ein gutes Gefühl, unterstützt uns bei der Schönheitspflege und macht uns für unser Umfeld interessant.
In die Form füllen
Bekommt unsere Masse schön langsam die Konsistenz von Pudding, ist es Zeit, sie in eine Form zu gießen. Zu empfehlen ist, die Form mit Vaseline einzustreichen damit man die fertige Seife auch wieder aus der Form bekommt. Zu empfehlen ist, die Form vorzuwärmen, damit sich die Masse nicht an der Oberfläche zu schnell verfestigt. Kräftiges Klopfen verhindert die Blasenbildung.
Das Bilden der Seifenkristalle
Öl und Seife sind gut vermengt, Seife haben wir aber nocht nicht. Es haben sich noch keine Seifenkristalle gebildet. Um diesen Vorgang zu starten, gibt man die Form in ein Backrohr bei maximal 90%. Idealerweise legt man ein Thermometer ins Backrohr, da die Anzeige des Backrohres normal nicht immer genau ist. Bei genauem Hinsehen wird man erkennen, dass sich die Farbe verdunkelt und die Masse transparent wird. Das ist der Prozess auf den wir gewartet haben - es bilden sich die Seifenmoleküle. Jetzt schalten wir das Backrohr aus und lassen die Seife mehrere Stunden abkühlen. Nachdem die Seife ausgehärtet ist, kann sie aus der Form genommen und in kleinere Stücke zerteilt werden.